„Vergesst nicht, Gastfreundschaft zu üben! Denn auf diese Weise haben einige, ohne es zu wissen, Engel bei sich aufgenommen.” (Hebr 13,2). – Predigt von Tamás Fabiny

„Vergesst nicht, Gastfreundschaft zu üben! Denn auf diese Weise haben einige, ohne es zu wissen, Engel bei sich aufgenommen.” (Hebr 13,2). – Predigt von Tamás Fabiny

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Text: Tamás Fabiny
Dieser Bibelspruch ermutigt uns dazu, Gastfreundschaft und die Bereitschaft zur Aufnahme von Gästen zu einem natürlichen Teil unseres Lebens zu machen.

Der Autor des Bibeltextes verweist auf die Geschichte, als Abraham drei Fremde selbstlos in seinem Zelt aufgenommen hat. Er holte Wasser, damit sie sich die Füße waschen können, und er gab ihnen ein Bissen Brot. Er bat seine Frau Sara, ein Fladenbrot für sie zu backen. Doch das war noch nicht genug: Mit Hilfe seiner Sklaven tischte er ihnen frischen Kalbsbraten auf. Er tat all das nicht aus eigenem Interesse, sondern allein aus Liebe. Er sah, dass die Wanderer müde und hungrig sind. Er wog nicht ab, er knauserte nicht, sondern er gab reichlich. Und daran ist er nicht bankrott gegangen. So, wie die Witwe aus Sarepta – nach dieser Stadt ist unser Heim benannt –, die sehr arm war, den Propheten Elija aus Gottes Gnade dennoch reichlich verköstigen konnte: Das Mehl im Topf ging nicht aus, und das Öl im Krug nahm nicht ab. Diese Frau und Abraham sind gleichermaßen Vorbilder für Gastfreundschaft und Aufnahmebereitschaft. Sie haben nicht aus Berechnung gehandelt, und beide wurden anschließend reich belohnt. Elija gab der Witwe das Leben ihres einzigen Sohnes zurück, und Abraham und Sara durften zusammen das Wunder des Kindersegens erleben. Die müden und zermürbten Wanderer waren nämlich in Wirklichkeit Engel.

Ähnlich wie die Witwe und Abraham war auch Jesus ein Vertreter der Gastfreundschaft. Nicht der Ausgrenzung.

Als die "Söhne des Donners" ein Feuer auf die Dörfer niederlassen wollten, die sie abgewiesen hatten, sagte er: "Ihr wisst nicht, welche Seele in euch wohnt." Jesus hat den Samariter, das Kind, die Frau, den Aussätzigen und die Prostituierte angenommen und aufgenommen. Er sagte: "Wer solch ein Kind in meinem Namen aufnimmt, nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, nimmt nicht nur mich auf, sondern auch den, der mich gesandt hat” (Mk 9,37). Wir interpretieren die Botschaft Jesu wohl kaum falsch, wenn wir neben Kindern auch von den Schwachen, den Verabscheuten und den Behinderten sprechen.

Als das Jahr 2015 begann, konnten wir noch nicht ahnen, wie oft uns der Jahresleitspruch direkt und kompromisslos ansprechen wird: „Nehmt euch gegenseitig an, wie auch Christus euch angenommen hat, damit Gott geehrt wird!” Die lutherische Diakonie vertritt mit ihren vielfachen Tätigkeiten, auch mit Blick auf diesen Bibelvers, das Gebot der Aufnahmebereitschaft. In den kalten Wintertagen baten wir unsere Gemeinden und kirchliche Institutionen, sich um die Obdachlosen und Notleidenden in ihrer Umgebung zu kümmern. Wir baten sie, ihnen die nötige finanzielle oder Sachhilfe zu geben, um zu überleben und ihre menschliche Würde wieder herzustellen. Im zentralen Gebäude der landesweiten Kirchenverwaltung machten wir eine Krisenstelle auf und öffneten die Tür vor den Bedürftigen und denen, die sich nach Wärme oder nach einem guten Wort sehnten.

Unter diesen riesigen Zelten – wo wir ein gutes Wort und Speis und Trank erhalten können – müssen wir beispielsweise über die sprechen, die im Heiligen Land in Flüchtlingslagern leben. Wir müssen auch denen gedenken und für diejenigen beten, deren Zuhause nach dem Erdbeben in Chile in Trümmern liegt. Eine Million Menschen haben in diesen Tagen das Dach über ihrem Kopf verloren! Und natürlich müssen wir von unseren Schwestern und Brüdern sprechen, die sich auf den Weg nach Europa gemacht haben, die sich bestenfalls in einem Zelt, doch meist eher auf Maisfeldern, an zügigen Bahnhöfen und neben Eisenbahndämmen zum Schlafen legen.

Manche behaupten, dass man vor diesen Flüchtlingen Angst haben und daher die Tore des Landes vor ihnen verriegeln müsse. Viele sind geneigt, eine potentielle Terroristin in der Mutter zu sehen, deren Zuhause im Nahen Osten zerbombt wurde, deren Mann getötet wurde, und die jetzt mit ihren Kindern in eine als frei und sicher vermutete Welt fliegt. Andere halten einen irakischen oder syrischen Mann für einen aggressiven islamischen Bekehrer, dessen Haus mit dem arabischen Buchstaben N markiert wurde, und der als Christ gerade vor den Terroristen des sogenannten Islamischen Staats flieht. Ich möchte vermeiden, dass die Politik uns in diesem Moment teilt, daher füge ich schnell hinzu: Es ist in unserem gemeinsamen Interesse, dass die tatsächlich gefährlichen und bedrohlichen Menschen schnell von den Behörden erfasst werden. Aber aufgrund des Bibeltextes kann ich nicht anders als darum bitten: Vergesst nicht, Gastfreundschaft zu üben! Werdet aufmerksam auf die ausgelieferten Wanderer, die Gequälten und die Leidenden. Seid barmherzig! Öffnet eure Herzen oder sogar euer Zuhause.

Und dafür muss man nicht weit gehen. Gott bittet uns auch hier, im Heim Sarepta, die Bedürftigen, die Schwachen und die Behinderten in Liebe aufzunehmen. Denn wenn wir sie aufnehmen, bewirten wir Engel.

Im neuen Gebäude von Sarepta möchten wir Platz für fünfzig Engel schaffen.

Es gibt unter ihnen einige Engel, deren Flügel anfangs von Gábor Sztehlo, dem gesegneten Beschützer von Bedürftigen und Gründer unseres Heims, poliert wurden. Sie leben seit Jahrzehnten unter uns. Die Gebäude um sie herum haben sich im Laufe der Zeit geändert, aber ihre kindliche Seele ist dieselbe geblieben.

Auch derjenige Engel ist unter uns, auf den – da er krank geboren wurde – seine Eltern verzichteten. Die Gemeinschaft von Sarepta wurde seine Familie, die Mitbewohner seine Brüder und die Pflegerinnen seine Schwestern.

Wir haben auch einen Engel, der sich in seinem ängstlichen Leben nicht wirklich zu fliegen traut. Er schließt sich in seine eigene Welt hinein, aber wenn er jemanden näher an sich heranlässt, dann hält er sehr stark an ihm fest.

Die Bewohner Sareptas – die bald in diesem wunderschönen neuen Gebäude einziehen werden – haben das Singen, Musizieren und manchmal sogar das Tanzen sehr gern, auf engelsgleiche Art. Sie freuen sich auf die gemeinsame Andacht, auf das Singen und natürlich auf ein gutes Wort und eine Umarmung. Es ist möglich, dass sie in vielerlei Hinsicht anders sind, als die meisten Menschen, aber wo steht es geschrieben, dass alle Engel gleich sein müssen? Einer muss vielleicht gewickelt werden, einem anderen fließt Speichel aus dem Mund, aber alle, ausnahmslos alle haben Flügel. Denn, wie ich sagte, sie sind Engel.

Daher sollten wir, meine Schwestern und Brüder, die Gastfreundschaft, die Aufnahmebereitschaft und die Übung der Barmherzigkeit nicht vergessen. Denn manche unter uns bewirten – ohne es zu wissen – Engel.

Lassen Sie mich schließlich über diejenigen sprechen, die hier arbeiten. Die eine riesige physikalische und seelische Last auf sich nehmen. Bei denen Tag und Nacht oft ineinanderfließen, und die alle Belastungen der Bauarbeiten auf sich genommen haben. Ihr, die hier arbeiten, seid ebenfalls Engel. Angelos'. Die ihr das Eu-Angelion, die Gute Nachricht mit Worten und Taten weitergebt.

Wir danken euch für eure Arbeit, und wir danken allen für die seelische und finanzielle Hilfe, die – aus Ungarn und aus dem Ausland – den Bau des neuen Sarepta-Gebäudes ermöglicht haben.

Dieser Dank gebührt vielen. Doch wir glauben zusammen mit dem Apostel, dass alle guten Gaben und vollkommenen Geschenke von oben kommen, von dem Vater des Lichts. Daher sollten wir vor allem Gott dankbar sein. „Dem, der so unendlich viel mehr tun kann, als wir erbitten oder erdenken, und der mit seiner Kraft in uns wirkt, ihm gebührt die Ehre in der Gemeinde und in Jesus Christus von Generation zu Generation in alle Ewigkeit. Amen. (Eph 3,20).

Címkék: Predigt - Dr. Tamás Fabiny -

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