Verbindung zwischen Himmel und Erde

Verbindung zwischen Himmel und Erde

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Quelle: Evangélikus Élet / Deutsche Anlage / Redakteurin: Pfarrerin Eszter Heinrichs, Text: Pfr. Dr. Hajnalka Ravasz Wallisellen, Schweiz
Wenn ich meine Schüler frage, welches der wichtigste evangelische Feiertag ist, lautet die häufigste Antwort: Weihnachten. Manche kommen der Wahrheit schon näher, wenn sie auf Ostern tippen – im katholischen Religionsunterricht hätten sie in dem Fall auch Recht. Den Reformatoren aber schienen gerade die Karfreitagsereignisse Kern des Glaubens zu sein. Aber warum gerade Karfreitag? Warum nicht Weihnachten oder Ostern, Fest der Geburt oder Auferstehung? Warum müssen gerade der Tod und das Kreuz in der Mitte unseres Glaubens stehen? Möchte Gott, dass wir traurige Christen werden, die ständig nur an Tod und ihre Sünden denken können?

Viele meiden sogar den Karfreitagsgottesdienst und sagen: „Den Tod feiern? Nein, danke. Davon möchte ich nichts wissen.“ oder: „In allen Medien hören wir nur von schrecklichen Kriegsnachrichten, von Skandalen, von Busunfällen, wo Schulkinder umgekommen sind. Dass unsere Kinder auch noch in der Kirche den Tod eines Juden feiern, möchten wir als vernünftige Erwachsene lieber nicht.“

Aber hat der Sinn des Karfreitags wirklich mit einem Glauben zu tun, der in uns Minderwertigkeitsgefühle wecken möchte und nur davon spricht, wie böse wir sind, weil unsere Sünden Jesus ans Kreuz geschlagen haben? Sollten wir am Karfreitag unsere Bosheit feiern? Nein, keineswegs! Gott behüte uns von solchen Vorstellungen!

Karfreitag geht es um die Liebe Gottes. Der ewige Gott war schon immer der, wie er sich von Anfang an seinem Volk gezeigt hat und wie Jesus ihn beschrieben hat: die Liebe. Und in Jesus zeigt Gott, wie weit er aus Liebe für uns Menschen mitzugehen bereit ist: bis ins Sterben, bis in die Einsamkeit und Verzweiflung des Todes, die Gott mit seiner Nähe und Gegenwart aufbrechen will. Die Sünde eines Menschen besteht nicht im Begehen moralischer Fehler, sondern im Abbruch der Beziehung mit Gott und in der Verschmähung seiner Liebe.

„Denn Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass Jesus für alle den Tod erlitten hat“, heißt es im Hebräerbrief (2,9b). Der namentlich unbekannte Verfasser dieses hochgebildeten Briefes schreibt gegen Ende des 1. Jahrhunderts in der großen Sorge, dass die Mitglieder seiner Gemeinde, dieser Gemeinschaft des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung, ihre Orientierung verlieren könnten. Denn die Hoffnung bröckelt angesichts der Erfahrungen des Sterbens und des Todes. Das Volk verliert die Sprache, um Gott zu antworten. Sie verlieren die Verbindung zum himmlischen Vater.

Ich kann den Schreiber des Briefes sehr gut verstehen. Es ist mir immer schmerzhaft, so viele Jugendliche, Erwachsene, aber auch Senioren zu treffen, die einfach nur so vor sich hin leben – ohne Profil, ohne religiöse Identität, ohne Begeisterung und ohne Feuer. Angepasst an die wechselnden Moden und an die herrschenden Trends. Immer auf der Suche, nie am Ziel.

In einer solchen Situation nimmt der Verfasser des Briefes an die Hebräer all seine Beredsamkeit zusammen, um den Menschen Orientierung zu geben und ihnen das Ziel zu zeigen, dem ihre Lebensgeschichten entgegen gehen und wo Jesus schon auf sie wartet. Trotz aller Schuld und Sünde. Es ist das Kreuz, wo sich die Liebe Gottes zeigt und wo sich Himmel und Erde, Gott und die Menschheit verbinden.

Alttestamentliche Geschichten erzählen von einzelnen Begegnungen mit Gott und von besonderen Orten der Begegnung (z.B. Gen 28,16f.). Auch von Engeln ist die Rede, die zwischen Himmel und Erde, zwischen Gott und den Menschen pendeln. Aber Jesus ist der Einzige, den der Herr seinen Sohn genannt und ihn dadurch über alle Engel gestellt hat. Seit Karfreitag brauchen wir keine besonderen Orte zu suchen, um uns durch die Engel Gottes mit dem Ewigen in Verbindung setzen zu können. Das Kreuz verbindet den Himmel mit der Erde ein für alle Mal und es umarmt die gesamte Schöpfung mit Gottes Liebe.

Gott ist in Jesus Mensch geworden, er hat unser Leben geteilt. Gott sieht nicht nur hin, sondern leidet selbst mit. Deshalb kann er uns Menschen heute in all unserer Not und Angst, in Schmerz und Hilflosigkeit verstehen. Durch Jesus sind wir alle befreit davon, lebenslang Gefangene der Furcht vor dem Tod zu sein.

Der alttestamentliche Zuspruch, „Ich bin bei dir“, gilt auch für uns. Jesus wird im Neuen Testament mit Immanuel übersetzt: „Gott mit uns“. In ihm kommt der Himmel auf die Erde und durch sein Kreuz bleiben sie auch verbunden. Wie immer es mit unserer Lebensgeschichte bestellt sein mag: durch das Kreuz bleiben wir mit dem himmlischen Vater in Verbindung.

Die Hoffnung ist schon am Karfreitag geboren: dass sich die Schöpfung verwandeln wird, dass einmal alle Tränen getrocknet werden und Schmerz und Geschrei zum Ende kommen, auch der Tod, der uns jetzt noch Angst einjagt… Ich wünsche uns allen Mut, dass wir uns für diese großartigen Versprechen der Bibel öffnen können und dass wir beim Abendmahl die Verbindung zwischen Himmel und Erde und die Gemeinschaft aller Christen erleben.

Címkék: Karfreitag - Ostern -

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