Veni creator spiritus – komm Schöpfer Geist

Veni creator spiritus – komm Schöpfer Geist

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Quelle: Evangélikus Élet / Deutsche Anlage / Redakteurin: Pfarrerin Eszter Heinrichs, Text: i. R. Franziska Schrimpf, Pfarrerin (Berlin)
Das Kirchenjahr ist für viele wie eine Bahnlinie, mit bekannten und vertrauten Sta­tionen. Wenn die Station auftaucht, wissen wir Bescheid. Wir halten an und steigen aus, für zwei oder mehrere Tage. Dann geht es auf der bekannten Strecke weiter.

„Pfingsten“ lesen wir auf dem Stationsschild. Diese Station bringt uns in Verlegenheit. – worum geht es an diesem Fest? Zu Ostern und Weihnachten fällt uns etwas ein, da haben wir unsere Bräuche und wissen, was wir feiern. Aber Pfingsten? Bei Bertold Brecht heißt es dazu: Pfingsten sind die Geschenke am geringsten,

während Ostern und Weihnachten etwas einbrachten.

Wird nicht in Brechts Vers unsere ganze Unsicherheit in Bezug auf dieses Fest deutlich?

Wenn wir intensiv nachdenken, fallen uns vielleicht doch noch zwei Stichworte ein, die uns aus der Verlegenheit helfen: Geburtstag der Kirche und Heiliger Geist. Heiliger Geist – dabei stellt sich jeder von uns etwas anderes und meist Unkonkretes vor. In der Bibel hat Heiliger Geist immer etwas mit Überraschung und kraftvoller Bewegung zu tun. In der Pfingstgeschichte des Evangelisten Lukas kommt der Geist mit Brausen und Feuerflammen vom Himmel. Bei ihm ist der Heilige Geist nicht nur eine Sache des Herzens und des Intellekts, sondern auch der Augen und der Ohren, um anzuzeigen, wie ganzheitlich dieser Pfingstgeist wirkt. Von daher wird der Heilige Geist am besten mit der Aussage umschrieben: Wir dürfen ein neues Leben beginnen!

Vielleicht tun wir uns mit Pfingsten deshalb so schwer, weil wir zu rational und nüchtern sind. Der Geist des Pfingstfestes wird unter uns kaum sichtbar, unter uns geschieht kein Brausen und Brennen, obwohl wir uns alle wünschen, ein neues Leben anfangen zu dürfen. Zumal, wenn Traurigkeit und Verlust über uns kommen, wenn Müdigkeit und aufgestaute Schuld uns überfallen. Nie war der Heilige Geist so nötig wie heute.

Der Heilige Geistes, von dem Paulus im Römerbrief (Kapitel 8) spricht, möchte auch in uns und unser Leben einziehen. Werden wir ihm Raum geben? Werden wir ihm unser Leben zur Verfügung stellen? Welche Konsequenzen hätte das?

Wir müssten an Pfingsten aller Haltung absagen, die die Entfaltung und Entwicklung hemmt. "Alles soll so bleiben, wie es ist" – gilt dann nicht mehr. Eine solche Haltung erstickt auch das Leben in einer Gemeinschaft. Eine Gemeinschaft, eine Kirchengemeinde ist etwas Lebendiges, das sich nach den Gesetzen des Lebens entwickelt, und zur Entwicklung gehört Veränderung.

Die Sache Jesu wäre im Sande Palästinas verlaufen, hätte sich die antipfingstliche Haltung, dass alles so bleiben soll, wie es ist, durchgesetzt. Lukas schildert uns seine Erfahrung von Bewegung und Veränderung, und wir erleben, wie Petrus den Raum der Angst verlässt und in der Öffentlichkeit für alle verstehbar redet und die anderen Jünger es ihm gleich tun.

Menschen der Angst werden mutig, Schweigende werden zu überzeugenden Botschaftern, eine geschlossene Gesellschaft öffnet sich und wird zur weltweiten Bewegung. Pfingsten ist also ein Fest der Veränderung, bewirkt durch den Heiligen Geist.

Auch an diesem Fest hat Gott wie an Ostern und Weihnachten die Initiative ergriffen und Menschen in Bewegung gebracht. Gott findet sich mit der Haltung, dass alles so bleiben soll, wie es ist, nicht ab. An Pfingsten werden wir heraus gerufen und aufgefordert, aus Vertrautem heraus zu treten, Schritte ins Freie und Offene, nach vorn zu tun.

Wenn wir den Heiligen Geist mit der Aussage umschreiben: Wir dürfen ein neues Leben beginnen!, sollten wir es ausprobieren und wir werden Überraschungen dabei erleben. Das könnte unter anderem bedeuten: Ich habe Mut und kann anderen Mut machen; ich kann lachen und andere in meine Freude einbeziehen; ich habe Zeit und nehme mir diese Zeit für andere; ich habe Hoffnung und stecke Hoffnungslose mit meiner Hoffnung an. Am Geburtstag der Kirche bekommen wir also ein Geburtstagsgeschenk. Dieses Geschenk soll nicht eingesteckt oder weggesteckt werden, mit diesem Geschenk sollen wir leben und es weitergeben. Pfingsten ist Geburtstag und Geburtstagsgeschenk, der Heilige Geist schenkt uns neues Leben.

Wir bekennen an Pfingsten: Gott, von Anfang an hat dein guter Geist die Erde begleitet, verwandelt, erhalten.

Wir bitten dich um diesen Geist, dass wir hören lernen auf die Stimmen der Schöpfung, auf die Stimmen unserer vielen Geschwister, ob es nun Bäume oder Tiere oder andere Menschen sind. Dein guter Geist berühre uns, hauche uns an, fülle uns und verändere uns.

Lass uns heraus gehen aus unseren Gewohnheiten, schließe uns auf für neue Erfahrungen und Begegnungen, mach uns neugierig auf Unbekanntes und Fremdes und lass uns in allem dich entdecken durch Jesus Christus, den Mensch gewordenen guten, schöpferischen Geist.

Wir verlassen jetzt die Station „Pfingsten“. Wir gehen weiter, ermutigt und beschenkt, denn Heiliger Geist bedeutet für uns: Wir dürfen ein neues Leben beginnen!

Címkék: Pfingsten -

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