Krise

Krise

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Quelle: Evangélikus Élet, Deutsche Anlage, Text: Martin Kollei
„Und Mose sprach zu dem HERRN: Warum bekümmerst du deinen Knecht? Und warum finde ich keine Gnade vor deinen Augen, dass du die Last dieses ganzen Volks auf mich legst? ...

... Hab ich denn all das Volk empfangen oder geboren, dass du zu mir sagen könntest: Trag es in deinen Armen, wie eine Amme ein Kind trägt, in das Land, das du ihren Vätern zugeschworen hast? Ich vermag all das Volk nicht allein zu tragen, denn es ist mir zu schwer. Willst du aber doch so mit mir tun, so töte mich lieber, wenn anders ich Gnade vor deinen Augen gefunden habe, damit ich nicht mein Unglück sehen muss. (...) Da kam der HERR hernieder in der Wolke und redete mit ihm und nahm von dem Geist, der auf ihm war, und legte ihn auf die siebzig Ältesten. Und als der Geist auf ihnen ruhte, gerieten sie in Verzückung wie Propheten und hörten nicht auf.“ (4. Mose 11,11ff) Mose droht der Zusammenbruch. Das Volk klagt. „Wir denken an die Fische, die wir in Ägypten umsonst aßen, und an die Kürbisse, die Melonen, den Lauch, die Zwiebeln und den Knoblauch. Nun aber ist unsere Seele matt, denn unsere Augen sehen nichts als das Manna.“ (4. Mose 11, 5- 6) Zu viel Manna gebe es, so das Volk, und zu wenig Fleisch. Mose kann es nicht mehr (er-)tragen und wirft hin, bis zum „So töte mich lieber“ an Gott. Und all dies wirft uns unser Bibelwort hin, diese geplagten Zeilen, die so gar nicht zu Pfingsten, dem Fest der Geburt der Kirche oder auch unser Stimmung – die Ferien fangen für viele an, das Frühjahr ist endlich dazu passen scheinen. Doch auch beim Geburtstag der Kirche an Pfingsten in der Apostelgeschichte lag der Tod Jesu, die große Krise, noch nicht lange zurück. Ohne Krise, ohne leeres Grab kein Neuanfang, ohne Krise, ohne leeres Grab, ohne Karfreitag kein Ostern und kein Pfingsten. Die Krise ist es, die den Neuanfang oft spürbar macht, die Last leichter werden lässt, wenn Gottes Geist weht und uns Schweres von der Seele nimmt. Ich habe oft das Gefühl, wir sehen die Krise nicht. Komme ich zu jungen Familien zu Taufgesprächen, höre ich oft, wenn ich frage, warum die Paare ihr Kind taufen wollen: „Es soll ja dazugehören.“ Oder: „Es soll ja in den evangelischen Religionsunterricht gehen, wo die meisten hingehen.“ Die Krise ist für mich genau da. Zugegeben, oft nennen Familien auch noch andere Gründe, warum sie ihr Kind taufen lassen möchten. Doch bekommt der Grund, dazuzugehören, eine zu große Bedeutung, dann frage ich mich: Wo ist hier der Geist, von dem unser Bibelwort spricht? Wäre es demnach genug, wenn die Kirche ein Verein wie jeder andere ist? Zusammenkommen, Feste feiern, Gemeinschaft haben, genügt das? Für die Kirche ist dies viel zu wenig. Denn da ist das Fenster für Gottes Geist zu. Gottes Geist kommt von außen, auf Moses und auf die 70, die Gott ihn vor den Altar bringen lässt. Als Getaufte gehen wir durchs Leben mit dem Geist Gottes, der wie der Wind „bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt.“ (Joh 3, 8) Das Leben ist mehr Abenteuer als angepasstes Dasein, doch ein Abenteuer, auf dem Gott mit seinem Geist mitgeht, durch Schweres und Schönes zugleich. So hilft uns Gottes Geist auch, Schweres im Leben zu sehen und es als Krise anzuerkennen. Sehe ich eine Krise, wie Mose, gestehe ich sie ein: „Ich vermag all das Volk nicht allein zu tragen.“ Ich würde mir in Taufgesprächen manchmal eine solche Offenheit wünschen – vielleicht nicht gleich im Bezug auf eigene Fehler, aber eine Offenheit, nach der Taufe im Leben mit Gottes neuem Kind zusammen Schö- nes in Glaube und Kirche zu erfahren, was es vorher nicht gab. Sehen wir im rechten Licht, bewegt durch Gott, können wir recht urteilen. Wo bewegt Sie der Geist Gottes? Wo hat er Sie schon einmal ins Mark getroffen, als Sie eine Krise als solche erkannt haben, eigenes Verhalten im ganz anderen Licht gesehen haben? Mose schafft es nicht allein. Er gesteht es nicht nur sich ein, sondern Gott. Gottes Geist bewegt uns schon, wenn wir ein Problem in unserem Leben als solches erkennen, es benennen können vor unseren Mitmenschen und vor Gott. Gottes Geist weht auch im Stillen, im Weinen, denn alles Weinen geschieht auf dem Weg hin zu einer Freude, die nicht billig oder aufgesetzt ist, sondern zu einer Freude, die trägt. Ohne Moses' Krise, ohne die Last, die ihm zu schwer wurde, keine Erkenntnis, dass er es nicht allein schafft und Hilfe braucht. Pfingsten ist kein Ferien- und Freizeitfest mit tollen Frühlingsbildern und super Stimmung. Es ist ein Fest mit tollen Frühlingsbildern und toller Stimmung, die Gott gemacht hat, indem er uns mit auf den Weg nahm – aus einer Krise zu einem Neuanfang hin. Es ist ein Fest, in dem wir im Glauben saftige Maiwiesen, zwitschernde Vögel und tolle Frühlingstage mit tiefer Freude bewundern können, weil wir einen Weg vor uns haben, der uns vielleicht viel an Durchhalten, viel Regen- und Windwetter abverlangt hat. Kein Geist Gottes ohne die Welt, die ihn oft nicht erkennt. Er ist nicht unsere Welt, sondern Gottes Geist kommt in diese, unsere Welt. Wenn er dann Glauben und Freude stiftet, ist es echte, tiefe Freude, die Gott lobt.

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